Der Aufsatz beschäftigt sich mit drei Passagen aus Asconius’ Kommentar zu den Reden Ciceros. Im ersten der behandelten Fragmente berichtet Asconius, dass Ciceros Tochter Tullia im Wochenbett im Haus ihres Ehemannes P. Lentulus verstorben sei. Diese Darstellung steht im Gegensatz zur in der Forschung fast allgemein akzeptierten, wenngleich auf indirekte Quellenzeugnisse gestützten, Meinung, dass Tullia auf Ciceros tuskulanischer Villa verschieden sei, nachdem sie einen Sohn im Haus ihres Vaters in Rom geboren habe. Asconius’ Zeugnis wird der Nachricht Plutarchs (Cic. 41, 7–8) gegenübergestellt, in der die gleiche Version überliefert ist. Der Verfasser gelangt zur Schlussfolgerung, dass der Darstellung der beiden Autoren eine gemeinsame Quelle zugrunde liegt, nämlich die von Tiro verfasste Biographie Ciceros, in der nur der Geburtsort des Kindes Tullias, aber nicht der Todesort seiner Mutter angegeben wurde. Gestützt auf diese Information, kamen Asconius und Plutarch unabhängig voneinander zum folgerichtigen, aber irrtümlichen Schluss, dass Tullia im Haus ihres ehemaligen Ehemannes verstorben sei. In der zweiten Passage erwähnt Asconius, dass M. Licinius Crassus im Richterkollegium im Majestätsprozess des C. Cornelius im Jahre 65 saß. Im selben Jahre bekleidete Crassus die Zensur. Allerdings waren die amtierenden Magistrate von den Geschworenen ausgeschlossen. Da der Corneliusprozess in den späten Frühling oder die erste Hälfte des Sommers datiert werden kann, ist zu vermuten, dass Crassus zu diesem Zeitpunkt das Amt aufgab. Im dritten Teil des Aufsatzes wird Asconius’ Bericht über den Mord an Lucretius Afella untersucht. Nach Asconius wurde Afella von einem gewissen L. Bellienus ermordet, während Plutarch berichtet, dass Afella von einem der Zenturionen Sullas erschlagen worden sei. Der Verfasser kommt zum Schluss, dass diese zwei Menschen identisch sind, obwohl ihre mögliche Identität in der Forschung üblicherweise in Zweifel gezogen wird
In Roman literature the negative image of a stepmother exists at least from the Late Republican times onwards. The Roman authors underline the cruelty of stepmothers and their mistreatment of stepchildren. Sometimes the amorous stepmother wants to seduce her adult stepson and, after the latter repudiates her love, begins to victimize him. In Latin declamations the noverca is often presented as a venefica who, motivated mainly by quarrels over inheritance, aims to poison her stepson (or sometimes husband; in this case she tries then to shift the blame onto the stepson). Cicero, when in 66 B. C. he defended in the court a Roman knight A. Cluentius Habitus, exploits these negative stereotypes extensively. One of the main characters in his speech Pro Cluentio is the mother of his client, Sassia, who, according to Cicero, is the true soul of the accusation against Cluentius. Cicero presents Sassia not as a mother, but as a saeva noverca who hates her own son and wants to destroy him. The skilful use of these (and some other) stereotypes, which were undoubtedly shared by a large part of Cicero’s audience, as well as corresponding literary topoi probably contributed significantly to the success of Cicero’s defence.